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„Trau Dich!“ – Helfen beginnt im Kindergarten: Das BRK zeigt Kindern, wie Erste Hilfe einfach geht

Ein Kind stürzt auf dem Spielplatz, weint – und bevor ein Erwachsener reagieren kann, kniet sich ein anderes Kind daneben, tröstet, hält die Hand und ruft nach Hilfe. Genau solche Momente möchte der BRK-Kreisverband Ebersberg mit dem Trau‑Dich‑Programm fördern.

Kinder sind neugierig, mutig – und oft viel hilfsbereiter, als wir Erwachsenen glauben. Schon ab dem vierten Lebensjahr können sie grundlegende Erste-Hilfe-Maßnahmen verstehen und anwenden. Genau hier setzt das „Trau Dich!“ Programm des Bayerischen Roten Kreuzes an.

Mit kindgerechten Geschichten, Handpuppen namens Solfi und Rino, anschaulichen Bildern und viel Bewegung vermittelt das BRK spielerisch, wie Kinder in Alltagssituationen helfen können: vom Pflasterkleben über das richtige Verhalten bei Verbrennungen bis hin zum Absetzen eines Notrufs.

In vielen Kindergärten des Landkreises führen ehrenamtliche Mitglieder vom BRK diese Kurse durch – mit großer Begeisterung der Kinder und spürbarem Nutzen für den Alltag. Denn frühe Heranführung an Erste Hilfe stärkt nicht nur Sicherheit und Selbstbewusstsein, sondern auch soziale Kompetenz und Empathie.

Wir haben mit Meike und Charly von der Bereitschaft Markt Schwaben über ihre Tätigkeit, die Bedeutung des Programms und ihre Kurserfahrung gesprochen.

Meike und Charly, was begeistert Euch persönlich am Trau‑Dich‑Programm und warum arbeitet ihr so gerne mit Kindergartenkindern?
Uns begeistert besonders, wie offen und neugierig Kindergartenkinder an das Thema Erste Hilfe herangehen. Sie haben oft noch keine Berührungsängste und lernen unglaublich schnell. Beim Trau Dich Programm erleben die Kinder, dass Helfen etwas Positives ist und, dass sie selbst schon ganz viel tun können. Genau dieses Gefühl von „Ich kann helfen!“ stärkt ihr Selbstvertrauen enorm. Es macht einfach Freude zu sehen, mit wie viel Begeisterung die Kinder mitmachen und wie stolz sie am Ende auf das Gelernte sind.

Viele Erwachsene fühlen sich in Notfällen unsicher. Meike, warum ist es sinnvoll, Kinder schon ab vier Jahren an die Erste Hilfe heranzuführen?

Wenn Kinder früh lernen, wie man in kleinen Notfällen reagiert, entwickeln sie Sicherheit und Selbstvertrauen. Es geht im Kindergartenalter nicht darum, perfekte Ersthelfer auszubilden, sondern darum, keine Angst vor dem Helfen zu haben. Kinder lernen: Wegschauen ist keine Lösung – Hilfe holen, trösten oder einen Verband anlegen kann jeder. Diese Haltung prägt oft ein Leben lang.

Charly, wie läuft eine typische Trau Dich Einheit ab – vom Aufwecken der Handpuppe Rino bis zur praktischen Übung?
Eine Kursstunde beginnt meistens damit, dass wir gemeinsam unsere Handpuppe Solfi oder Rino „aufwecken“. Dadurch sind die Kinder sofort aufmerksam und mitten im Geschehen. Anschließend sprechen wir spielerisch über eine Alltagssituation, zum Beispiel einen Sturz oder eine kleine Verletzung. Gemeinsam überlegen wir: Was ist passiert? Wie kann ich helfen? Danach folgt die praktische Versorgung – die Kinder dürfen Verbände anlegen, Pflaster kleben, den Notruf üben oder die stabile Seitenlage ausprobieren. Zum Abschluss wird das Gelernte noch einmal gemeinsam wiederholt und vertieft.

Meike, welche Rolle spielt die Handpuppe, und warum reagieren Kinder so stark auf diese Figur?
Solfi und Rino sind für die Kinder wichtige Identifikationsfiguren. Über die Handpuppe lassen sich schwierige oder ungewohnte Themen viel leichter vermitteln. Die Kinder sprechen oft ganz selbstverständlich mit den Puppen, trauen sich Fragen zu stellen und entwickeln schnell Vertrauen. Gleichzeitig bringen Solfi und Rino Humor und Leichtigkeit in die Stunde – und genau das hilft dabei, Sorgen abzubauen und die Kinder emotional mitzunehmen.

Charly, welche Themen lernen die Kinder konkret?
Die Kinder lernen viele alltagsnahe Inhalte kennen: kleine Wunden versorgen, Pflaster kleben, Verbände anlegen, richtig kühlen bei Beulen oder Verbrennungen, Verhalten bei Nasenbluten oder Verätzungen und natürlich das Absetzen eines Notrufs. Auch die stabile Seitenlage wird kindgerecht geübt. Wichtig ist dabei immer: Die Kinder sollen einfache, praktische Handlungsmöglichkeiten kennenlernen, die sie wirklich anwenden können.

Meike,wie schafft Ihr es, dass die Kinder keine Angst bekommen, sondern Spaß am Helfen entwickeln?
Wir arbeiten sehr spielerisch und kindgerecht. Die Kinder dürfen ausprobieren, lachen und aktiv mitmachen. Wir orientieren uns an Situationen aus ihrem Alltag. Der Fokus liegt immer darauf, was man tun kann – nicht darauf, was schlimm sein könnte. Dadurch erleben die Kinder Erste Hilfe als etwas Positives und entwickeln Freude daran, anderen zu helfen.

Charly, gibt es Situationen, in denen Kinder aus ihrem Alltag erzählen und eigene Erfahrungen einbringen? Wie geht ihr damit um?
Ja, das passiert sehr häufig. Viele Kinder erzählen von einem Sturz auf dem Spielplatz, einem Krankenhausbesuch oder Situationen in der Familie. Diese Erfahrungen greifen wir behutsam auf und beziehen sie in die Stunde mit ein. Wichtig ist dabei, den Kindern zuzuhören und ihre Erlebnisse ernst zu nehmen. Oft profitieren auch die anderen Kinder davon, weil sie merken: So etwas kann jedem passieren – und man kann helfen.

Meike, was sind typische Aha-Momente oder besonders schöne Reaktionen der Kinder während des Kurses?
Besonders schön ist es, wenn Kinder plötzlich merken: „Ich kann das ja wirklich!“ Ein typischer Aha-Moment ist zum Beispiel, wenn sie selbstständig einen Verband anlegen oder den Notruf richtig beantworten können. Viele Kinder sind unglaublich stolz darauf. Sehr berührend ist auch, wie selbstverständlich Kinder sich gegenseitig helfen und trösten – oft ganz ohne Aufforderung.

Charly, wie können Eltern das Gelernte zu Hause aufgreifen und unterstützen?
Eltern können das Gelernte wunderbar im Alltag aufgreifen, zum Beispiel gemeinsam Pflaster kleben üben oder über den Notruf sprechen. Die Kinder bekommen ein Merkheft zum Kurs und eine Urkunde mit nach Hause, wodurch die Themen noch einmal präsent werden. Besonders wichtig ist Wiederholung: Wenn Eltern Interesse zeigen und die Inhalte spielerisch ansprechen, bleibt das Gelernte viel besser im Gedächtnis.

Meike und Charly, was wünscht ihr euch für die Zukunft – mehr Trau Dich Kurse, mehr Bewusstsein für Erste Hilfe im Kindesalter oder etwas ganz anderes?
Wir wünschen uns vor allem, dass Erste Hilfe im Kindesalter noch selbstverständlicher wird. Kinder sollten früh erleben dürfen, dass Helfen wichtig ist und jeder etwas tun kann. Langfristig wünschen wir uns eine Gesellschaft, in der Helfen selbstverständlich ist und Menschen mutig handeln.

Kindergärten, die Interesse an einem Trau Dich! Kurs in ihrem Haus haben, können sich in der Servicestelle Ehrenamt melden.